Forschung bei Conquer Social Anxiety
Conquer Social Anxiety ist eine Bildungsplattform, die Menschen dabei helfen möchte, Sozialangst klarer, mitfühlender und auf wissenschaftlich verantwortungsvolle Weise zu verstehen.
Die Inhalte von CSA stützen sich auf psychologische Forschung zu Sozialangst: wie sie entsteht, warum sie sich von Person zu Person unterschiedlich zeigen kann, wodurch sie aufrechterhalten wird und wie ein besseres Verständnis zu einer genaueren Diagnostik, Wissensvermittlung und Versorgung beitragen könnte.
Dabei geht es nicht darum, Forschung in trockener Wissenschaftssprache wiederzugeben. Psychologische Erkenntnisse sollen sorgfältig und verständlich vermittelt werden, damit Menschen ihre Erfahrungen besser einordnen können, ohne dass komplexe Zusammenhänge zu stark vereinfacht werden.
Warum Forschung für CSA wichtig ist
Sozialangst wird häufig missverstanden. Sie wird manchmal als bloße Schüchternheit abgetan, auf mangelndes Selbstbewusstsein reduziert, mit Introversion verwechselt oder so behandelt, als würden alle Betroffenen sie auf dieselbe Weise erleben.
Forschung kann dazu beitragen, solche Missverständnisse zu korrigieren.
Sie ermöglicht es CSA, genauer hinzusehen: Was befürchten Menschen eigentlich, wenn sie sich in sozialen Situationen unsicher fühlen? Warum haben manche vor allem Angst davor, dass andere ihre Anspannung bemerken, während andere fürchten, unbeholfen zu wirken, abgelehnt zu werden, jemanden vor den Kopf zu stoßen oder an Ansehen zu verlieren? Und wie könnten Vermeidung, Sicherheitsverhalten, Scham, Grübeln, das Unterdrücken von Gefühlen, Alkoholkonsum oder Selbstkritik den Verlauf von Sozialangst beeinflussen?
Forschung erinnert uns zugleich daran, bescheiden zu bleiben. Der Wissensstand verändert sich. Forschungsergebnisse haben Grenzen. Nicht auf jede Frage gibt es eine eindeutige Antwort. CSA möchte verständlich vermitteln, was bekannt ist, was wahrscheinlich erscheint, was weiterhin ungewiss ist und wo weitere Forschung benötigt wird.
Forschungsschwerpunkte
Die Forschungsarbeit, die CSA inhaltlich prägt, konzentriert sich auf mehrere miteinander verbundene Themen.
Warum Sozialangst bei jedem Menschen anders aussehen kann
Viele Menschen mit Sozialangst teilen die Angst vor negativer Bewertung. Wovor sie sich dabei genau fürchten, kann jedoch sehr unterschiedlich sein.
Manche haben vor allem Angst davor, sich unbeholfen oder ungeschickt zu verhalten. Andere fürchten sichtbare Anzeichen von Anspannung wie Erröten, Zittern, Schwitzen oder eine zitternde Stimme. Wieder andere sorgen sich darum, jemanden vor den Kopf zu stoßen, abgelehnt zu werden, schwach zu wirken oder keinen Anschluss zu finden.
Diese individuellen Unterschiede sind für CSA besonders interessant. Sie könnten erklären, warum Sozialangst von außen nicht immer gleich aussieht und weshalb unterschiedliche Menschen möglicherweise von unterschiedlichen Formen der Unterstützung profitieren.
Psychologische Prozesse, die Sozialangst aufrechterhalten
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf Prozessen, die Sozialangst aufrechterhalten können. Dazu gehören Vermeidung, Sicherheitsverhalten, Angstsensitivität, erlebnisbezogene Vermeidung, selbstfokussierte Aufmerksamkeit, Grübeln, Scham, das Unterdrücken von Gefühlen sowie Schwierigkeiten, Ärger auszudrücken oder für die eigenen Bedürfnisse einzustehen.
Diese Prozesse sind wichtig, weil Sozialangst nicht nur aus einer Reihe von Symptomen besteht. Sie kann auch mit erlernten Mustern des Vorhersagens, des Selbstschutzes und des Umgangs mit Gefühlen verbunden sein, die sich tief im Selbstbild und in Beziehungen verankern können.
Sozialangst im wirklichen Leben
Sozialangst begegnet uns nicht nur in Therapiemanualen oder diagnostischen Gesprächen. Sie kann sich auf Beziehungen, Ausbildung, Studium, Arbeit, Partnersuche, Alkoholkonsum, Identität, Zugehörigkeit, den Umgang mit Konflikten und die freie Teilnahme am Leben auswirken.
CSA interessiert sich für Forschung, die Sozialangst mit dem tatsächlichen Alltag und den Erfahrungen Betroffener verbindet und dabei wissenschaftlich sorgfältig bleibt.
Auf dem Weg zu gezielterer Unterstützung
Ein langfristiges Ziel besteht darin, besser zu verstehen, ob eine genauere Erfassung von Sozialangst zu einer stärker auf die einzelne Person abgestimmten Versorgung beitragen könnte.
Dabei geht es nicht darum, Menschen auf Etiketten oder starre Untergruppen zu reduzieren. Vielmehr stellt sich die Frage, ob unterschiedliche Muster von Angst, Vermeidung, Emotionsregulation, Motivation und Beeinträchtigung Betroffenen, therapeutischen Fachpersonen und Forschenden dabei helfen können, sinnvollere Fragen zu stellen.
Ausgewählte Veröffentlichungen
Die folgenden begutachteten Veröffentlichungen geben einen Einblick in Martin Storks wissenschaftliche Arbeit und einige der Forschungsthemen, die die inhaltliche Ausrichtung von CSA prägen.
Process-Informed Psychological Profiles in Social Anxiety: A Multidimensional Person-Centered Analysis
Martin Stork, Miguel M. Gonçalves und João Tiago Oliveira. Veröffentlicht 2026 in Cognitive Therapy and Research.
Auf Grundlage von Daten von 412 Erwachsenen aus mehr als 40 Ländern untersuchte diese Studie, ob sich klinisch bedeutsame Sozialangst anhand multidimensionaler psychologischer Profile beschreiben lässt, die Symptome, allgemeine psychische Belastung, Regulationsprozesse, Motivation und Persönlichkeit umfassen. Sie identifizierte vier vorläufige Profile und betonte zugleich, dass es sich um beschreibende Muster und nicht um diagnostische Kategorien oder Regeln für die Auswahl einer Behandlung handelt und dass eine unabhängige Replikation erforderlich ist.
Differences in Anxiety Sensitivity and Experiential Avoidance Between Subtypes of Social Anxiety Disorder
Martin Stork, Mariantonia Lemos und Juan Pablo Román-Calderón. Veröffentlicht 2023 in PLOS ONE.
In dieser Studie wurde untersucht, ob sich Menschen, deren Sozialangst auf unterschiedliche befürchtete Folgen ausgerichtet ist, auch hinsichtlich psychologischer Prozesse wie Angstsensitivität und erlebnisbezogener Vermeidung unterscheiden. Die Arbeit spiegelt das übergeordnete Interesse von CSA daran wider, besser zu verstehen, wie unterschiedlich Sozialangst von Person zu Person ausgeprägt sein kann.
Mean to an End: Differentiating Externalizing Presentations of Social Anxiety From Antisocial Personality Disorder
Martin Stork. Veröffentlicht 2026 in Practice Innovations.
Dieser klinische Fachartikel beschäftigt sich damit, dass manche Menschen mit Sozialangst nach außen distanziert, sarkastisch, gefühlskalt, gereizt oder ablehnend wirken können. Er regt dazu an, zu prüfen, ob solche Verhaltensweisen manchmal dem Schutz vor Scham dienen, statt sie vorschnell als Anzeichen einer antisozialen Persönlichkeitsstörung zu deuten.
Identity on Trial: Legitimacy-Focused Invalidation and Social Anxiety in Bisexual and Nonbinary People
Daniela Fumega und Martin Stork. Veröffentlicht 2026 in Frontiers in Psychology.
Dieser Meinungsartikel befasst sich mit der Frage, wie die wiederholte Infragestellung der eigenen Identität und damit verbundener Minderheitenstress zur Sozialangst bei bisexuellen und nichtbinären Menschen beitragen könnten. Dabei werden soziale Bewertung und Bedrohung mit Zugehörigkeit, Anerkennung der eigenen Identität, Zurückweisungssensitivität und den psychischen Folgen wiederholter Abwertung oder Nichtanerkennung in Verbindung gebracht.
Aktuelle Forschungsprojekte
Mehrere weitere wissenschaftliche Artikel befinden sich derzeit im Begutachtungsverfahren oder in der Ausarbeitung.
Diese Projekte beschäftigen sich unter anderem mit dem Unterdrücken von Gefühlen und dem Umgang mit Ärger bei Sozialangst, alkoholbedingten Problemen, unterschiedlichen psychologischen Mustern bei Menschen mit Sozialangst sowie verschiedenen Mustern gefürchteter und vermiedener sozialer Situationen.
Forschungshintergrund und Kooperationen
Die mit CSA verbundene Forschungsarbeit wird von Martin Stork geleitet, dem Gründer und Redakteur von Conquer Social Anxiety.
Martin hat Psychologie an der EAFIT University in Kolumbien studiert und an der University of Minho in Portugal einen Masterabschluss in Klinischer Psychologie und Psychotherapie für Erwachsene erworben. Derzeit ist er als Research Fellow an der School of Psychology der University of Minho tätig und arbeitet weiterhin gemeinsam mit der EAFIT University an Forschungsprojekten.
Seine Forschung konzentriert sich auf Sozialangst. Dabei interessiert ihn besonders, warum sie sich von Person zu Person unterschiedlich zeigen kann, welche psychologischen Prozesse sie möglicherweise aufrechterhalten und wie eine genauere Erfassung zu einem besseren Verständnis der individuellen Erfahrungen und des jeweiligen Unterstützungsbedarfs beitragen könnte.
Mehr über Martins Hintergrund erfährst du auf der Seite Über Martin Stork.
Offene Wissenschaft und Transparenz
CSA unterstützt offene Wissenschaft, Präregistrierungen, eine transparente Berichterstattung und einen möglichst freien Zugang zu Forschung.
Gleichzeitig kann nicht jede Studie vollständig frei zugänglich gemacht werden. Ob Veröffentlichungen, Forschungsdaten und Materialien offen bereitgestellt werden können, hängt unter anderem von den Richtlinien der Fachzeitschrift, der ethischen Genehmigung, der Einwilligung der Teilnehmenden, dem Datenschutz und den Veröffentlichungskosten ab.
CSA bemüht sich um größtmögliche Transparenz hinsichtlich der Forschungsmethoden, Einschränkungen, Interessenkonflikte, Finanzierung und verbleibender Unsicherheiten. Wenn Forschungsmaterialien, Präregistrierungen, Analyseskripte oder frei zugängliche Fassungen verfügbar sind, werden sie auf dieser Seite verlinkt, sofern dies angemessen ist.
An Forschung teilnehmen
Von Zeit zu Zeit kann CSA auf die Möglichkeit hinweisen, an ethisch geprüften Forschungsstudien zu Sozialangst teilzunehmen.
Wenn für eine geeignete Studie Teilnehmende gesucht werden, können Informationen auf dieser Seite oder über den CSA-E-Mail-Verteiler veröffentlicht werden. Die Teilnahme ist immer freiwillig. Bevor sich jemand dafür entscheidet, sollten ausführliche Informationen über die Studie vorliegen. Dazu gehören die Teilnahmevoraussetzungen, das Einwilligungsverfahren, der Umgang mit personenbezogenen Daten und die ethische Prüfung.
Wissenschaftliche Zusammenarbeit
CSA ist offen für sorgfältig geplante wissenschaftliche Kooperationen zu Sozialangst, psychologischen Wirkmechanismen, Diagnostik, kulturvergleichender Forschung, digitaler Psychoedukation und der verständlichen Vermittlung psychologischen Wissens.
Forschende, therapeutische Fachpersonen, Studierende und wissenschaftliche Einrichtungen, die an einer Zusammenarbeit interessiert sind, können über die Kontaktseite mit CSA in Verbindung treten.
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