Kognitive Verhaltenstherapie für soziale Angst

Die soziale Angststörung (soziale Phobie) ist nicht nur durch schwierige Emotionen wie Angst, Scham und Traurigkeit gekennzeichnet, sondern auch durch sehr negative Gedanken und schädliche Verhaltensmuster.

Viele Experten gehen davon aus, dass die negativen Kognitionen sowie die starke Tendenz, gefürchtete soziale Situationen zu vermeiden, nicht nur den Kern der sozialen Phobie ausmachen, sondern auch der Hauptgrund dafür sind, dass Menschen sie überhaupt entwickeln.

Die kognitive Verhaltenstherapie (KVT) setzt an diesen ungünstigen Mustern an und versucht, sie zu verändern, was zu einer deutlichen Reduktion der sozialen Ängstlichkeit führen kann.

Sie gilt heute als erste Wahl bei der Behandlung sozialer Phobie. In diesem Artikel schauen wir uns genauer an, warum das so ist und schlüsseln ihre wesentlichen Bestandteile für dich auf.

Wie erklärt die KVT die soziale Angststörung?

Um besser zu verstehen, wie die KVT funktioniert und warum sie dir helfen kann, deine soziale Angst zu reduzieren, lass uns zunächst einen Blick auf das kognitive Modell der sozialen Phobie werfen. Es gibt mehrere davon, aber hier konzentrieren wir uns auf das am häufigsten angewandte.

Es wurde von den Psychologen David Clark und Adrian Wells im Jahr 1995 entwickelt. Nach ihrem Modell löst eine bestimmte soziale Situation negative, oft sogar katastrophale Gedanken aus.

In den meisten Fällen kann sich die betroffene Person an eine ähnliche Situation in der Vergangenheit erinnern, die zu einem traumatischen sozialen Erlebnis führte. Dadurch werden negative Erinnerungen ausgelöst, die katastrophale Gedanken hervorrufen, wie z. B. “Ich werde mich lächerlich machen und dies wird schrecklich sein“.

An diesem Punkt beginnt eine negative Rückkopplungsschleife zu entstehen. Schau dir die folgende Grafik an und beachte, wie negative Gedanken, Selbstaufmerksamkeit, Angstsymptome und Sicherheitsverhalten dazu neigen, sich gegenseitig zu verstärken.

Das kognitive Modell der sozialen Angststörung von Clark und Wells (1995).

Nehmen wir an, eine Person namens Erica wurde ausgelacht, als sie während ihrer Teenagerzeit in der Schule eine Präsentation hielt. Jetzt, ein ganzes Jahrzehnt später, wird sie gebeten, eine Präsentation vor ihren Kollegen an ihrem Arbeitsplatz zu halten.

Als Erica vor ihren Kollegen steht, wird sie an ihr traumatisches Erlebnis erinnert, was negative Gedanken auslöst.

“Oh mein Gott, was, wenn sie mich alle auslachen, so wie es damals in der Schule passiert ist? Ich muss vermeiden, ängstlich auszusehen, sonst halten sie mich für seltsam und machen sich über mich lustig.”

Jetzt richtet Erica ihre Aufmerksamkeit auf sich selbst und darauf, wie sie von den anderen gesehen werden könnte.

Sie spürt, wie ihre Angst aufsteigt, merkt, wie ihr Herz deutlich schneller schlägt und wie ihr Gesicht heiß wird. In ihrem Kopf konstruiert sie ein mentales Bild, wie sie von außen wirken könnte. Das wiederum löst weitere negative Gedanken aus.

“Sie können sehen, wie nervös ich bin. Sie können sehen, dass ich rot werde, dass meine Hände zittern, und sie bemerken sicher auch, wie meine Stimme zittert. Ich muss meine Angst kontrollieren.”

An diesem Punkt beginnt Erica, sogenanntes Sicherheitsverhalten anzuwenden. Sie versucht damit, ihre vorgestellten Worst-Case-Szenarien zu verhindern und den möglichen Schaden für ihr öffentliches Image zu begrenzen. Sie beginnt damit:

  • ihren Kopf zu senken, um zu verhindern, dass die Leute ihr errötetes Gesicht sehen;
  • sich sehr stark an ihren Notizen festzuklammern, damit ihre Kollegen nicht sehen, dass ihre Hände zittern;
  • mit geringer Lautstärke zu sprechen, damit die anderen nicht hören, dass ihre Stimme zittert;
  • zu versuchen, ihre Angst und die damit verbundenen körperlichen Empfindungen zu unterdrücken.

Doch obwohl Erica überzeugt ist, dass diese Strategien ihr helfen, die befürchteten Folgen zu vermeiden, verstärken sie ihre Selbstaufmerksamkeit nur noch mehr und erhöhen sogar die Wahrscheinlichkeit, dass sie unsicher wirkt.

Da Erica sich zu sehr auf sich selbst konzentriert, statt auf die anstehende Aufgabe (die Präsentation zu halten), verschlechtert sich ihre objektive Leistung.

Außerdem verliert sie durch ihre negative Erwartungshaltung alle sozialen Signale aus den Augen, die ihre Angst mindern könnten, wie z. B. das zustimmende Nicken ihrer Kollegen zu den Dingen, die sie sagt.

Indem sie versucht, die körperlichen Manifestationen ihrer Angst zu unterdrücken (wie z. B. ihr Erröten oder ihre zittrigen Hände), werden diese wahrscheinlich noch verstärkt. Je mehr Stress und Angst Erica erlebt, desto wahrscheinlicher ist es, dass sie diesem psychologischen Paradoxon zum Opfer fällt.

In der obigen Graphik hast du wahrscheinlich einen Pfeil von den Sicherheitsverhaltensweisen zurück zur ursprünglichen, negative Gedanken auslösenden Situation bemerkt. Schau ihn dir hier noch einmal an.

Dieser Pfeil ist von besonderer Bedeutung, da Sicherheitsverhalten, insbesondere das völlige Vermeiden der gefürchteten Situationen, dazu neigt, die soziale Angst auf Dauer aufrechtzuerhalten. Wie du gleich sehen wirst, setzt die Behandlung an diesem Teil der Feedbackschleife an.

Im Gegensatz zu vielen sozial ängstlichen Menschen vermeidet Erica nicht, die Präsentation zu halten, was ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung ist. Allerdings steht ihr Sicherheitsverhalten einer positiven, korrigierenden Erfahrung im Wege, die ihre Angst in ähnlichen Situationen in Zukunft verringern könnte.

Paradoxerweise führen Sicherheitsverhaltensweisen oft zu genau dem, was sie zu verhindern beabsichtigen. Zum Beispiel kann das Festhalten an ihren Notizen zu noch zittrigeren Händen führen, wenn Erica mit ihrer Präsentation fortschreitet.

Indem sie den Kopf senkt und den direkten Blickkontakt vermeidet, wirkt sie eher noch unsicherer, als wenn sie mit erhobenem Kopf spricht.

Indem sie versucht, ihr Erröten zu unterdrücken, errötet sie vermutlich noch intensiver. Indem sie nicht laut spricht, wirkt sie noch eingeschüchterter und jemand könnte sie auffordern, etwas lauter zu sprechen.

All dies bestätigt nicht nur ihre negativen Überzeugungen über die Bedrohlichkeit dieser sozialen Situation, sondern es verstärkt auch ihre Angst, in Zukunft in eine ähnliche Lage zu geraten.

Für Erica bedeutet dies, dass, sobald ihr gesagt wird, dass sie eine weitere Präsentation auf der Arbeit halten soll, ihre Angst einsetzt, auch wenn die Präsentation zwei Wochen in der Zukunft liegt. Sozial ängstliche Menschen leiden oft unter einer solchen ängstlichen Erwartungshaltung von sozialen Ereignissen.

Ebenso grübeln Menschen mit sozialer Phobie oft exzessiv über soziale Situationen nach, die in der Vergangenheit liegen. Psychologen bezeichnen dieses Verhalten als Post-Event-Processing.

In unserem Beispiel würde Erica die Präsentation in ihrem Kopf durchspielen, immer und immer wieder. Sie würde ihre Leistung als deutlich negativer in Erinnerung behalten, als sie wirklich war, und sie würde die sozialen Konsequenzen des nervösen und unsicheren Auftretens vor ihren Kollegen überschätzen.

Wirf einen Blick auf diese kurze Animation und beachte, wie antizipatorische Angst und Post-Event-Processing Menschen mit sozialer Phobie beeinflussen, auch wenn sie sich gerade nicht in einer sozialen Situation befinden, die sie fürchten.

Das Grübeln über vergangene soziale Ereignisse und dies mit einer eher negativ geprägten Sichtweise (es wird als negativer und folgenreicher angesehen, als es tatsächlich war) verstärkt und verschlimmert sogar die Erwartungsangst vor zukünftigen Situationen.

An diesem Punkt hat sich ein sich selbst verstärkender Teufelskreis aus ungünstigen Gedanken und Verhaltensmustern etabliert. Ohne angemessene Behandlung bleibt dieser Teufelskreis in der Regel über längere Zeit bestehen.

Schauen wir uns an, wie die KVT dieser Dynamik Einhalt gebieten kann.

Wie hilft KVT bei sozialer Phobie?

Das kognitive Modell der sozialen Angst hat mehrere Komponenten und nicht alle können verändert werden. Zum Beispiel können wir die Tatsache nicht ändern, dass jemand in der Vergangenheit ein traumatisches soziales Erlebnis hatte.

Ebenso können wir die Angstsymptome, die in bestimmten sozialen Situationen auftreten können, nicht direkt und vollständig kontrollieren. Sozial ängstliche Menschen denken manchmal, dass sie es können, aber je mehr sie versuchen, sie zu kontrollieren, desto mehr neigen diese Symptome dazu, sie zu überwältigen.

Es gibt jedoch bestimmte Komponenten, auf die wir einen direkten Einfluss haben. Genau hier setzt die KVT an. Indem wir die Komponenten ansprechen, die wir direkt beeinflussen können, verringern sich in der Folge die Angstsymptome.

Die KVT reduziert soziale Angst, indem sie Denk- und Verhaltensweisen verändert. Sie ermutigt dazu, negative Überzeugungen zu hinterfragen und zu korrigieren, sich auf äußere Reize statt auf innere Empfindungen zu konzentrieren, und sich wiederholt den gefürchteten Situationen zu auszusetzen.

Sollte ein Defizit sozialer Fähigkeiten bestehen, adressiert dies die KVT durch Training sozialer Kompetenzen.

Wirf noch einmal einen Blick auf das kognitive Modell der sozialen Angst weiter unten. Die rot markierten Faktoren können durch die KVT direkt angesprochen werden. Dadurch können die Angstsymptome reduziert werden. Da wir jedoch keinen direkten Einfluss auf sie haben, sind sie orange markiert.

Die KVT behandelt soziale Ängste, indem sie negative Gedanken, Selbstbewusstsein sowie Sicherheits- und Vermeidungsverhalten anspricht. Dadurch können die Angstsymptome reduziert werden.

Sehen wir uns an, wie jede dieser Interventionen funktioniert und wie sie helfen, diesen Kreislauf zu durchbrechen.

Kognitive Umstrukturierung

Der kognitive Teil der kognitiven Verhaltenstherapie befasst sich mit ungünstigen Gedanken und Überzeugungen.

Obwohl jeder Mensch sie erlebt, führen sie in der Regel nicht zu nennenswerten Problemen in unserem Leben. Für Menschen mit sozialen Ängsten können sie jedoch enorme Probleme verursachen.

Nehmen wir wieder Erica als Beispiel. Sie ist vielleicht davon überzeugt, dass sie unsympathisch und wertlos ist. Wenn das der Fall ist, wird sie nicht nur unter einem geringen Selbstwertgefühl leiden und sich nach der Anerkennung anderer Menschen sehnen, sondern sie wird auch erhebliche Ängste empfinden, wann immer sie einer möglichen Begutachtung durch andere ausgesetzt ist.

Laut KVT-Theorie führt eine tief verwurzelte, negative Grundüberzeugung wie diese zu spezifischen konditionalen Annahmen. Diese können als Regeln gesehen werden, die befolgt werden müssen, und als starre Einstellungen über das Selbst, andere und die Welt.

Einige von Ericas konditionalen Annahmen könnten zum Beispiel sein:

“Wenn andere denken, dass ich unsicher bin, werden sie mich nicht mögen.”

“Ich muss immer die Kontrolle über meine Emotionen haben, sonst werde ich abgelehnt.”

“Ich muss selbstbewusst auftreten, um als kompetent angesehen zu werden.”

“Ich komme nicht damit klar, wenn andere mich ablehnen oder bemitleiden.”

Wenn Erica in eine stressige soziale Situation gerät, wie z. B. bei einer Präsentation auf der Arbeit, lösen diese Annahmen sogenannte automatische negative Gedanken aus. Diese Gedanken sind spezifisch für jede Situation und scheinen aus dem Nichts aufzutauchen.

“Ich werde super nervös. Ich werde mich zum Affen machen.”

“Die lachen schon, wahrscheinlich über mich.”

“Ich zittere und sie können es sehen. Ich muss mich beruhigen.”

Die folgende Grafik stellt diese drei verschiedenen Ebenen von Gedanken und Glaubenssätzen dar. Wie du sehen kannst, treibt die Grundüberzeugung die konditionalen Annahmen an, die wiederum zu automatischen negativen Gedanken führen.

KVT Glaubenssystem nach Beck: Grundüberzeugung, konditionale Annahmen, automatische negative Gedanken.

Die KVT versucht, diese drei Ebenen durch kognitive Umstrukturierung zu verändern.

Dieser Begriff bezieht sich auf eine ganze Gruppe von Techniken, die Betroffenen helfen können, ihre ungünstigen Denkmuster zu identifizieren und neu zu bestimmen.

Durch das Erforschen spezifischer automatischer negativer Gedanken können Therapeut und Patient die zugrunde liegenden konditionalen Annahmen (Einstellungen und Regeln) aufdecken. Von diesen können sie dann eine oder mehrere Grundüberzeugungen (grundlegende Annahmen über das Selbst) ableiten.

Einmal identifiziert, werden die spezifischen Gedanken und Überzeugungen einer gründlichen Untersuchung unterzogen. Das heißt, Patient und Therapeut versuchen herauszufinden, ob sie zutreffend und hilfreich sind oder nicht.

Wenn der Patient entscheidet, dass sie das nicht sind, kann er sein Glaubenssystem umstrukturieren und zu akkurateren und hilfreicheren Denkweisen übergehen.

Im Folgenden sind einige Techniken aufgeführt, die zur kognitiven Umstrukturierung verwendet werden können:

  • Sokratisches Fragestellen (Eine Reihe von Fragen, die rationales, logisches Denken anregen und helfen, Annahmen, die für wahr gehalten werden, zu überprüfen).
  • Sammeln von Beweisen (Das Suchen und Finden von Beweisen für alternative Überzeugungen hilft, diese anzunehmen)
  • Suche nach rationalen alternativen Erklärungen (Suche nach anderen Möglichkeiten, das Verhalten anderer Menschen zu erklären, anstatt alles persönlich zu nehmen)
  • Entkatastrophisieren (Bekämpft die Tendenz, aus einer Mücke einen Elefanten zu machen)

Mit Beharrlichkeit und der Hilfe eines erfahrenen Therapeuten hat sich gezeigt, dass die kognitive Umstrukturierung negative soziale Kognitionen reduziert und positive erhöht, was zu einer Verringerung der sozialen Angst führt (Taylor et al., 1997).

Zusätzlich zur kognitiven Umstrukturierung wird der Patient über die schädlichen Auswirkungen der Fokussierung seiner Aufmerksamkeit auf das Selbst und auf innere Empfindungen aufgeklärt.

Sobald der Patient die schädliche Natur einer solchen selbstfokussierten Aufmerksamkeit während einer stressigen sozialen Aufgabe verstanden hat, wird er angewiesen, seine Aufmerksamkeit auf äußere Reize zu lenken, z. B. auf die anstehende Aufgabe. Dies führt mit der Zeit und durch Übung zu verringerter Selbstaufmerksamkeit in den gefürchteten Situationen.

Indem die kognitiven Verzerrungen und die schädigende Selbstfokussierung angesprochen werden, befasst sich die kognitive Komponente der KVT mit den folgenden problematischen Aspekten des Teufelskreises der sozialen Angststörung.

Diese Bereiche werden bei der KVT gegen soziale Ängste durch kognitive Strategien interveniert.

Konfrontationstherapie

Der verhaltenstherapeutische Teil der kognitiven Verhaltenstherapie befasst sich mit ungünstigen und oft schädlichen Verhaltensmustern.

Im Fall von sozialer Angst sind dies vor allem das Vermeiden der gefürchteten Situationen sowie das Sicherheitsverhalten, wenn man sich ihnen stellt. Die KVT wendet Expositionsübungen (Konfrontationen mit den gefürchteten Situationen) an, um diese Tendenzen anzugehen.

Die Konfrontation mit den gefürchteten sozialen Situationen ist ein wesentliches Element der KVT bei sozialer Angst. In der Regel wird sie schrittweise durchgeführt und mehrmals wiederholt. Oft führt sie zu tiefgreifenden und schnellen angstmindernden Veränderungen.

Werfen wir einen Blick auf einige wichtige Aspekte von Konfrontationsübungen bei sozialer Angst.

Die soziale Angststörung wird oft auch als soziale Phobie bezeichnet. Phobische Menschen werden von ihrer irrational starken Angst vor einem Objekt oder einer Situation angetrieben, die sie in der Regel dazu bringt, den damit verbundenen Reiz zu vermeiden.

Interessanterweise verstehen die meisten phobischen Menschen, dass ihre Angstreaktion weder logisch noch hilfreich ist, aber der ängstliche Teil ihres Gehirns behält in der Regel die Oberhand.

Das Gleiche gilt für sozial ängstliche Menschen, da sie oft die gefürchteten sozialen Situationen ganz vermeiden. Allerdings ist eine völlige Vermeidung sozialer Situationen nicht immer möglich, und viele Betroffene sind durchaus mutig und stellen sich den gefürchteten sozialen Szenarien trotz der Möglichkeit, sie zu vermeiden.

Während andere irrationale Ängste, wie z.B. die Arachnophobie (phobische Angst vor Spinnen), recht schnell abklingen, wenn der Betroffene dem gefürchteten Reiz wiederholt ausgesetzt wird, bleibt die soziale Angst trotz solcher Bemühungen oft bestehen.

Der Hauptgrund dafür ist das Sicherheitsverhalten, das wir bei der Einführung in das kognitive Modell erwähnt haben (Clark & Wells, 1995; Heimberg, Brozovich, & Rapee, 2014).

In unserem Beispiel senkte Erica ihren Kopf, damit ihre Kollegen sie nicht erröten sahen (neben anderen Dingen). Sie tat dies, weil sie glaubte, dass es ihr helfen würde, das Ausmaß zu verringern, in dem ihre Kollegen sie als unsicher beurteilen würden.

Dieses Verhalten ließ sie jedoch nicht nur noch unsicherer erscheinen, sondern stand auch einer positiven, korrigierenden Erfahrung im Weg, die ihre soziale Ängstlichkeit in zukünftigen Situationen verringern könnte.

Da sie den direkten Augenkontakt vermied, war sie praktisch blind für alle positiven sozialen Signale ihres Publikums, wie z. B. ein freundliches Lächeln, Kopfnicken oder das Ausbleiben von Gelächter über ihren Vortrag.

Durch die Anwendung solcher Sicherheitsverhaltensweisen neigen sozial ängstliche Menschen dazu, in einer scheinbar endlosen Angstschleife stecken zu bleiben, obwohl sie sich den gefürchteten sozialen Situationen aussetzen.

Deshalb bestehen KVT-Therapeuten darauf, dass Expositionsübungen ohne den Einsatz von Verhaltensweisen durchgeführt werden, die ein negatives Ergebnis zu verhindern oder das Ausmaß einer möglichen negativen Bewertung zu reduzieren versuchen.

Bevor die Patienten tatsächlich Konfrontationsübungen durchführen, werden sie angewiesen, eine Expositionshierarchie zu erstellen. Dabei handelt es sich um eine Liste von Situationen und Aufgaben, die bei ihnen soziale Angst auslösen, die von leichter Furcht bis zu größter Angst reicht.

Sieh dir das folgende Beispiel einer Expositionshierarchie für eine Person an, die Angst hat, im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit zu stehen.

Beachte, dass die betroffene Person mit Situationen beginnt, die sie nur als leicht unangenehm empfindet (Situationen 1-3), dann mit Situationen fortfährt, die sie als sehr unangenehm empfindet (Situationen 4-7), und die Liste mit Situationen abschließt, die bei ihr starke Angst auslösen (Situationen 8-10).

KVT-Expositionshierarchie (Angstleiter) einer Person mit sozialer Angst. Zehn Schritte für Expositionsübungen zur Überwindung der Angst, im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit zu stehen.

Sobald die Hierarchie erstellt ist, macht sich der Patient daran, diese Situationen wiederholt aufzusuchen, beginnend am unteren Ende der Liste. Oftmals, vor allem am Anfang, begleitet der Therapeut den Patienten bei der Durchführung der Übungen.

Dabei bleibt der Patient so lange auf einer Ebene, bis sich die Angst deutlich verringert hat. Das heißt, der Patient setzt sich immer wieder der gleichen sozialen Situation aus, bis es ihm nicht mehr schwer fällt, dies zu tun. Sobald dies der Fall ist, wird die nächste Situation in Angriff genommen.

Durch diese schrittweise, wiederholte und kontrollierte (kein Sicherheitsverhalten) Konfrontation gegenüber den gefürchteten Reizen passt sich das Gehirn schnell an und erkennt, dass von diesen Situationen keine wirkliche Gefahr ausgeht.

Psychologen bezeichnen diesen Prozess als Habituation und Extinktionslernen. Es kann als die wichtigste Komponente der KVT bei sozialer Phobie angesehen werden.

Die verhaltenstherapeutische Komponente der KVT befasst sich also mit der verhängnisvollen Tendenz, die gefürchteten sozialen Situationen zu meiden oder sich ihnen nur zu stellen, während man versucht, mögliche Kritik anderer zu vermeiden.

Training sozialer Kompetenzen

Viele Menschen mit sozialer Phobie wissen in der Regel, welches Verhalten sozial angemessen wäre, tun sich aber einfach schwer, es in die Tat umzusetzen, weil sie von Angstgefühlen überwältigt sind.

Es gibt jedoch eine Untergruppe von Betroffenen, denen es tatsächlich an sozialen Fähigkeiten mangelt. Dies ist oft das Ergebnis von mangelnden Gelegenheiten in der Kindheit, zu lernen, wie man soziale Kontakte knüpft.

Manche hatten möglicherweise Eltern, die sie von anderen Kindern isolierten. Andere wurden vielleicht durch ein übervorsichtiges und schüchternes Temperament geprägt, so dass sie nie die Interaktion mit Gleichaltrigen suchten.

Aber wie werden diese Defizite behandelt? Hilft die KVT auch bei fehlenden sozialen Fertigkeiten?

Die standardisierte KVT bei sozialer Angststörung geht nicht auf spezifische soziale Fähigkeiten ein, da die meisten Betroffenen wissen, wie sozial angemessenes Verhalten aussieht. Manche Menschen haben jedoch tatsächliche Defizite, die dann durch das Training sozialer Kompetenzen angegangen werden.

Um die sozialen Kompetenzen des Patienten zu verbessern, beginnen Therapeut und Patient damit, die spezifischen Problembereiche des Patienten zu identifizieren. Hier sind einige Beispiele:

  • Unterhaltungen beginnen, aufrechterhalten und schließlich beenden.
  • Aufgeschlossen sein und einen freundlichen Eindruck machen, wenn man andere trifft.
  • “Nein” sagen und Einladungen ablehnen.
  • Sich über etwas beschweren und durchsetzungsstark sein.
  • Angemessenes nonverbales Verhalten anwenden (Körperhaltung, Gestik, Mimik etc.)
  • Smalltalk führen.

Sobald die Bereiche identifiziert wurden, können soziale Fähigkeiten, die sich auf diese Bereiche beziehen, durch Rollenspiele geübt werden. Der Therapeut kann sozial angemessenes Verhalten erklären oder beispielhaft vormachen und Feedback geben, das dem Patienten bei der Feinabstimmung seines Sozialverhaltens hilft.

Das Hinzufügen dieser Verhaltenskomponente zur KVT hat sich als vorteilhaft in Bezug auf ihre Wirksamkeit erwiesen (Beidel, Alfano, Kofler, & Rao, 2014). 

Die meisten Menschen mit sozialer Angst benötigen diese zusätzliche Therapieform jedoch nicht, da tatsächliche Defizite in den sozialen Kompetenzen eher die Ausnahme sind.

Wie effektiv ist die KVT bei sozialer Angststörung?

Nun, da du ein gutes Verständnis davon hast, wie die KVT die soziale Phobie behandelt, schauen wir uns an, ob sie wirklich funktioniert und werfen einen Blick auf ihre Wirksamkeit.

Ein systematisches Review (2015) ergab, dass etwa 45-55 % der Menschen mit sozialer Angststörung nach einer KVT-Behandlung eine bedeutsame Symptomreduktion erfahren und eine Meta-Analyse (2018) berichtet, dass etwa 40 % nach einer KVT-Intervention nicht mehr an sozialer Phobie leiden.

Eine systematische Übersichtsarbeit ergab, dass etwa 45-55% der Menschen mit sozialer Angststörung (SAD) gut auf CBT ansprechen (Ansprechrate; signifikante Symptomreduktion). Eine aktuelle Meta-Analyse berichtet, dass etwa 40% nach Abschluss der Behandlung unterhalb der diagnostischen Schwelle liegen (Remissionsrate; keine SAD). Referenzen: (Loerinc et al., 2015; Springer, Levy, & Tolin, 2018).

Diese beiden Studien fassen die wissenschaftlichen Erkenntnisse zusammen, die zeigen, wie viele Menschen mit sozialer Phobie einen bedeutenden Nutzen aus einer KVT-Behandlung ziehen (Loerinc et al., 2015Springer, Levy, & Toling, 2018).

Auch wenn diese Zahlen auf den ersten Blick niedrig erscheinen mögen, sei darauf hingewiesen, dass die Ansprechraten bei psychologischen Behandlungen von Angststörungen in der Regel bei etwa 50 % liegen.

Für diejenigen, die auf die Standard-KVT nicht ansprechen (oder nicht bereit sind, sie auszuprobieren), gibt es wirksame alternative Ansätze. Wir haben die verschiedenen Optionen in unserem umfassenden Behandlungsleitfaden zusammengefasst.

Wie lange braucht die KVT um bei sozialer Angst zu wirken?

Die KVT kann eine soziale Phobie innerhalb weniger Wochen reduzieren, vor allem, wenn die Konfrontationsübungen früh im Behandlungsprozess durchgeführt werden und der Patient die Hausaufgaben konsequent erledigt. Auf diese Weise kann die KVT bereits ab dem Moment des Behandlungsbeginns wirken.

Der Erfolg der Behandlung ist jedoch nie garantiert. Menschen sind unterschiedlich und können unterschiedlich auf die KVT ansprechen.

Etwa 45 % der Menschen, die eine KVT-Behandlung für ihre soziale Angst erhalten, haben am Ende der Therapie deutlich weniger soziale Ängste (Loerinc et al., 2015).

Abhängig von den Problemen des Patienten, dem Therapeuten und der Behandlungseinrichtung kann die Anzahl der KVT-Sitzungen stark variieren. Im Durchschnitt besteht eine KVT bei sozialer Phobie aus etwa 12 Sitzungen.

Mit der Zeit nimmt die Zahl derer, die auf die Behandlung ansprechen, tendenziell zu. Bei etwa 10 % der Menschen werden die Auswirkungen der KVT erst eine Weile nach Abschluss der Behandlung deutlich.

Wenn du im Begriff bist, eine KVT-Intervention für deine soziale Angst zu beginnen und du willst, dass sie so schnell wie möglich anschlägt, dann stelle sicher, dass du:

  • dich deinem Therapeuten gegenüber über deine Probleme öffnest;
  • regelmäßig deine Hausaufgaben erledigst;
  • die Konfrontationsübungen durchführst und sie oft wiederholst;
  • so viel wie möglich aufnimmst und Fragen stellst, wenn du etwas nicht verstehst;
  • dich darauf konzentrierst, dein eigener “Therapeut” zu werden, sobald die Behandlung abgeschlossen ist.

Wir hoffen, dass dieser Artikel alle Zweifel, die du hattest, beseitigt hat. Wenn wir noch Fragen unbeantwortet gelassen haben, dann lass es uns bitte wissen. Wir freuen uns darauf, die von dir gesuchte Ressource zu erstellen.


Beck, J. S., & Beck, A. T. (1995). Cognitive therapy: Basics and beyond. Guildford Press.

Beidel, D. C., Alfano, C. A., Kofler, M. J., Rao, P. A., Scharfstein, L., & Wong Sarver, N. (2014). The impact of social skills training for social anxiety disorder: a randomized controlled trial. Journal of anxiety disorders, 28(8), 908–918. https://doi.org/10.1016/j.janxdis.2014.09.016

Clark, D. M., & Wells, A. (1995). A cognitive model of social phobia. In R. G. Heimberg, M. R. Liebowitz, D. A. Hope, & F. R. Schneier (Eds.), Social phobia: Diagnosis, assessment, and treatment (p. 69–93). The Guilford Press.

Heimberg, R. C., Brozovich, F. A., & Rapee, R. M. (2014). A cognitive-behavioral model of social anxiety disorder. In S. G. Hofmann & P. M. DiBartolo (Eds.), Social anxiety: Clinical, developmental, and social perspectives (p. 705–728). Elsevier Academic Press. https://doi.org/10.1016/B978-0-12-394427-6.00024-8

Loerinc, A. G., Meuret, A. E., Twohig, M. P., Rosenfield, D., Bluett, E. J., & Craske, M. G. (2015). Response rates for CBT for anxiety disorders: Need for standardized criteria. Clinical psychology review, 42, 72–82. https://doi.org/10.1016/j.cpr.2015.08.004

Springer, K. S., Levy, H. C., & Tolin, D. F. (2018). Remission in CBT for adult anxiety disorders: A meta-analysis. Clinical psychology review, 61, 1–8. https://doi.org/10.1016/j.cpr.2018.03.002

Taylor, S., Woody, S., Koch, W. J., McLean, P., Paterson, R. J., & Anderson, K. W. (1997). Cognitive restructuring in the treatment of social phobia. Efficacy and mode of action. Behavior modification, 21(4), 487–511. https://doi.org/10.1177/01454455970214006

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