Behandlungsansätze

Weitere Therapieansätze bei sozialer Angst

Viele Therapieformen können bei sozialer Angst relevant sein. Sie unterscheiden sich jedoch deutlich darin, worauf sie abzielen, für wen sie geeignet sein könnten und wie direkt ihr Nutzen wissenschaftlich untersucht wurde.

Kurz erklärt

Therapieformen außerhalb der am besten etablierten Behandlungen für soziale Angst können manchen Menschen helfen – insbesondere, wenn sie auf eine bestimmte Schwierigkeit wie Scham, Probleme mit der Emotionsregulation, zwischenmenschliche Konflikte, traumabezogene Erinnerungen, starre Überzeugungen über sich selbst oder Schwierigkeiten mit Grenzen und Beziehungen abzielen.

„Kann helfen“ ist jedoch nicht dasselbe wie „ist als eigenständige Behandlung der sozialen Angststörung wissenschaftlich gut belegt“. Aktuelle Leitlinien empfehlen Erwachsenen zunächst eine individuelle, störungsspezifische kognitive Verhaltenstherapie. Auch Medikamente und eine manualisierte, zeitlich begrenzte psychodynamische Therapie haben klar definierte Stellen in Behandlungspfaden.

Eine hilfreiche Frage lautet deshalb nicht nur, welche Therapie ansprechend klingt. Ebenso wichtig ist, welche Prozesse die Schwierigkeiten einer Person aufrechterhalten und ob die vorgeschlagene Behandlung genau diese Prozesse anspricht.

Überblick über die Evidenz

Für die Schematherapie gibt es vielversprechende Evidenz bei Menschen, die sowohl eine soziale Angststörung als auch eine ängstlich-vermeidende Persönlichkeitsstörung haben. In einer randomisierten Studie aus dem Jahr 2024 mit 154 Teilnehmenden, bei denen beide Störungen vorlagen, führten sowohl eine Gruppenschematherapie als auch eine Gruppen-KVT zu deutlichen Verbesserungen. Bei den primären Ergebnissen gab es keine signifikanten Unterschiede; in der Schematherapie verblieben jedoch mehr Teilnehmende bis zum Ende der Behandlung.

Für die interpersonelle Psychotherapie gibt es direkte randomisierte Studien. Eine störungsspezifische kognitive Therapie hat dabei jedoch besser abgeschnitten. In einer Studie, in der kognitive Therapie, interpersonelle Psychotherapie und eine Warteliste verglichen wurden, lagen die Ansprechraten nach der Behandlung bei 65,8 %, 42,1 % beziehungsweise 7,3 %. Beide aktiven Behandlungen halfen, doch die kognitive Therapie führte bei sozialer Angst zu besseren Ergebnissen.

Bei anderen Methoden ist mehr Vorsicht geboten. EMDR ist eine etablierte Traumabehandlung, die spezifische Evidenz bei sozialer Angst ist jedoch begrenzt. DBT-Fertigkeiten können bei der Emotionsregulation und zwischenmenschlichen Funktionsfähigkeit helfen, doch DBT ist keine etablierte Erstbehandlung der sozialen Angststörung. NICE rät davon ab, unterstützende Therapie routinemäßig zur Behandlung der sozialen Angststörung anzubieten.

Informationen zu etablierten Möglichkeiten findest du unter Behandlung sozialer Angst und auf der Seite Unsere Evidenzstandards.

Was die verschiedenen Evidenzstufen bedeuten

Erstbehandlung

Durch umfangreiche störungsspezifische Forschung gestützt und in wichtigen Behandlungsleitlinien frühzeitig empfohlen.

Bedeutsame Unterstützung

Durch relevante Evidenz gestützt, aber nicht unbedingt für jede Person oder in jedem Behandlungspfad die bevorzugte erste Wahl.

Im Aufbau

Vielversprechende erste Studien oder eine wachsende Evidenzgrundlage, bei weiterhin wichtiger Unsicherheit und notwendiger Replikation.

Ergänzend

Möglicherweise hilfreich für einen bestimmten Prozess oder eine gleichzeitig bestehende Schwierigkeit, normalerweise als Teil einer umfassenderen Behandlung.

Unzureichende Evidenz

Zu wenig verlässliche Forschung zu sozialer Angst, um überzeugende Aussagen über die Wirksamkeit treffen zu können.

Nicht empfohlen

Leitlinien raten vom routinemäßigen Einsatz ab, die Evidenz ist nicht überzeugend oder Risiken und Behauptungen sind nicht ausreichend belegt.

Diese Kategorien beschreiben die Evidenz für einen bestimmten Anwendungsbereich. Sie bewerten weder die Wärme einer therapeutischen Fachperson noch die Erfahrung eines Klienten oder den möglichen Wert einzelner Bestandteile eines Ansatzes.

Ansätze mit direkter oder vielversprechender Evidenz

Schematherapie

Die Schematherapie arbeitet mit beständigen Mustern von Überzeugungen, Gefühlen, Erinnerungen, körperlichen Erfahrungen und Bewältigungsweisen. Dazu gehören beispielsweise das Gefühl, fehlerhaft zu sein, soziale Isolation, emotionale Gehemmtheit, unerbittlich hohe Ansprüche oder Unterordnung. Sie kann besonders relevant sein, wenn soziale Angst eng mit langjährigen Persönlichkeitsmustern oder einer ängstlich-vermeidenden Persönlichkeitsstörung verbunden ist.

Die Gruppenstudie aus dem Jahr 2024 ist für Menschen ermutigend, bei denen sowohl eine soziale Angststörung als auch eine ängstlich-vermeidende Persönlichkeitsstörung vorliegt. Ihre Ergebnisse lassen sich bisher jedoch nicht auf alle Menschen mit sozialer Angst, individuelle Schematherapie, jedes schematherapeutische Protokoll oder Menschen ohne diese Begleiterkrankung übertragen.

Interpersonelle Psychotherapie

Die interpersonelle Psychotherapie, kurz IPT, konzentriert sich auf aktuelle Beziehungsprobleme wie Rollenwechsel, Trauer, zwischenmenschliche Konflikte und soziale Entfremdung. Bei sozialer Angst kann sie untersuchen, wie Vermeidung und gehemmte Kommunikation Beziehungen beeinträchtigen und wie Belastungen in Beziehungen die Symptome aufrechterhalten.

IPT hat in einigen Studien besser abgeschnitten als Wartelisten oder unterstützende Vergleichsbedingungen. Eine störungsspezifische kognitive Therapie führte jedoch im Allgemeinen zu stärkeren Verbesserungen der sozialen Angst. IPT kann sinnvoll sein, wenn zwischenmenschliche Probleme im Mittelpunkt stehen oder eine Person dieses Modell bevorzugt – vorausgesetzt, die unterschiedliche Evidenzlage wird verständlich erklärt.

Exposition in virtueller Realität

Mithilfe virtueller Realität lassen sich Vorträge, Besprechungen, Gespräche, Unterrichtssituationen, Vorstellungsgespräche und andere soziale Situationen in einer kontrollierten Umgebung simulieren. Sie lässt sich am besten als eine Form der Durchführung von Exposition verstehen und nicht als eigenständige Theorie darüber, weshalb soziale Angst fortbesteht.

Ihr Nutzen hängt von der Qualität der Expositionsgestaltung ab: Vorhersagen müssen bestimmt, Situationen variiert, Sicherheitsverhalten reduziert, Lernerfahrungen ausgewertet und Fortschritte auf reale zwischenmenschliche Situationen übertragen werden. Eine Simulation wiederholt auszuhalten, ohne anschließend im wirklichen Leben zu üben, reicht möglicherweise nicht aus.

Ansätze, die bestimmte Prozesse ansprechen können

EMDR

Eye Movement Desensitization and Reprocessing ist am besten für die Behandlung der posttraumatischen Belastungsstörung etabliert. Manche Menschen mit sozialer Angst haben belastende Erinnerungen an Mobbing, Demütigung, Zurückweisung oder öffentliches Scheitern. Eine erinnerungsbezogene Arbeit kann klinisch relevant sein, wenn diese Erfahrungen lebhaft bleiben und leicht aktiviert werden.

Diese Begründung macht EMDR jedoch nicht zu einer Erstbehandlung der sozialen Angststörung. Evidenz zu Angststörungen im Allgemeinen kann direkte Studien zur sozialen Angst nicht ersetzen, und kleine oder unkontrollierte Studien sollten als vorläufig bezeichnet werden. Eine störungsspezifische KVT umfasst ebenfalls Methoden wie die Unterscheidung zwischen vergangenen und gegenwärtigen Erinnerungsreizen sowie die imaginative Neubearbeitung, wenn sozial traumatische Erinnerungen eine Rolle spielen.

DBT-Fertigkeiten

Die Dialektisch-Behaviorale Therapie vermittelt Achtsamkeit, Stresstoleranz, Emotionsregulation und zwischenmenschliche Fertigkeiten. Diese Fähigkeiten können Menschen helfen, deren soziale Angst gemeinsam mit intensiven emotionalen Reaktionen, Selbstverletzungen, chronischer Suizidalität, einer Borderline-Persönlichkeitsstörung oder erheblichen Schwierigkeiten mit Grenzen und Beziehungen auftritt.

Eine Fertigkeitengruppe kann hilfreich sein, ohne eine vollständige DBT darzustellen, zu der eine umfassendere Behandlungsstruktur gehört. Die direkte Evidenz für DBT als Behandlung sozialer Angst befindet sich noch in einem frühen Stadium. Allgemeine Bewältigungsfertigkeiten sollten die Arbeit an Vermeidung, Vorhersagen, Sicherheitsverhalten und gefürchteten Situationen nicht ersetzen.

Humanistische und personzentrierte Therapie

Eine respektvolle, einfühlsame und authentische therapeutische Beziehung kann Scham verringern und die persönliche Auseinandersetzung unterstützen. Diese Eigenschaften sind in verschiedenen wirksamen Therapieformen bedeutsam. Eine personzentrierte Arbeit kann besonders wertvoll sein, wenn jemand sich bisher nur selten verstanden oder angenommen gefühlt hat.

Unterstützung und Annahme allein verändern möglicherweise nicht systematisch die Prozesse, die soziale Angst aufrechterhalten. Wenn die soziale Angststörung behandelt werden soll, sollte geklärt werden, wie die Therapie auch Vermeidung, Selbstbeobachtung, nachträgliches Grübeln und Verhaltensänderungen ansprechen wird.

Ansätze, die mit inneren Anteilen arbeiten

Internal Family Systems und andere anteilsorientierte Therapieformen beschreiben möglicherweise einen inneren Kritiker, einen verängstigten Anteil, einen leistungsorientierten Anteil, einen Anteil, der es allen recht machen möchte, oder einen Beschützer. Diese Sprache kann manchen Menschen helfen, inneren Konflikten und Selbstkritik mit Neugier statt mit Scham zu begegnen.

Die spezifische Evidenz bei sozialer Angst reicht derzeit nicht aus, um diese Methoden als etablierte eigenständige Behandlungen darzustellen. Innere Anteile sollten als therapeutischer Bezugsrahmen oder als Metapher verstanden werden – nicht als wörtlich existierende Einheiten, die eine therapeutische Fachperson mit Sicherheit erkennen kann.

Körperorientierte Ansätze

„Körperorientierte Therapie“ ist ein weiter Sammelbegriff für sehr unterschiedliche Praktiken, die Körperwahrnehmung, Bewegung, Stabilisierung, Atmung, Haltung oder die Regulation des autonomen Nervensystems einbeziehen. Körperbezogene Fertigkeiten können dabei helfen, Erregung bewusster wahrzunehmen und auszuhalten, insbesondere wenn sie Teil einer schlüssigen Behandlung sind.

Behauptungen, soziale Angst sei einfach „im Körper gespeichert“ oder könne durch eine einzelne körperliche Technik gelöst werden, gehen über die Evidenz hinaus. Atemübungen oder eine intensive Beobachtung innerer Vorgänge können bei manchen Menschen zudem Panik, Dissoziation oder selbstfokussierte Aufmerksamkeit verstärken.

Narrative und existenzielle Therapie

Narrative Therapie kann dabei helfen, die eigene Identität von einer problembeherrschten Erzählung wie „Ich bin grundsätzlich unbeholfen“ zu trennen. Existenzielle Therapie kann Freiheit, Verantwortung, Isolation, Sinn, Authentizität und die Verletzlichkeit untersuchen, die damit verbunden ist, von anderen gesehen zu werden.

Diese Perspektiven können eine Behandlung besonders im Hinblick auf Identität und Werte bereichern. Als eigenständige Behandlungen der sozialen Angststörung verfügen sie jedoch nur über begrenzte direkte Evidenz.

Ansätze, bei denen größere Vorsicht geboten ist

Unterstützende Therapie

Unterstützende Therapie kann Ermutigung, praktische Hilfe, Bestätigung und eine beständige Beziehung bieten. Das kann Belastung und Isolation besonders in schwierigen Lebensphasen verringern. NICE rät jedoch davon ab, unterstützende Therapie routinemäßig zur Behandlung der sozialen Angststörung anzubieten, da stärker untersuchte und gezieltere Möglichkeiten verfügbar sind.

Hypnotherapie

Hypnose ist für manche psychischen und körperlichen Anwendungsbereiche wissenschaftlich untersucht. Die Evidenz für Hypnotherapie speziell zur Behandlung der sozialen Angststörung ist jedoch zu begrenzt, um überzeugende Wirksamkeitsbehauptungen zu rechtfertigen. Entspannung, Suggestion oder Imagination können sich hilfreich anfühlen, ohne Vermeidung und soziales Lernen zu verändern.

Sei vorsichtig bei Versprechen, Angst schnell zu beseitigen, angeblich verborgene Erinnerungen wiederherzustellen oder auf eine einzige unbewusste Grundursache zuzugreifen. Hypnotische Verfahren können das Vertrauen in Erinnerungen beeinflussen, ohne deren Richtigkeit zu gewährleisten.

Neurolinguistisches Programmieren

NLP wird mit Techniken vermarktet, die Sprache, innere Bilder, Kommunikation und subjektive Erfahrungen einbeziehen. Eine systematische Übersichtsarbeit zu gesundheitlichen Ergebnissen fand kaum Evidenz dafür, dass NLP gesundheitsbezogene Ergebnisse verbessert, und stellte erhebliche Einschränkungen der vorhandenen Studien fest.

NLP sollte nicht als evidenzbasierte Behandlung der sozialen Angststörung dargestellt werden. Vertraute therapeutische Bestandteile wie Zielsetzung oder Imagination bestätigen weder die umfassendere Theorie noch ihre weitergehenden Behauptungen.

Coaching

Coaching kann bei Zielen, Verbindlichkeit, dem Üben von Kommunikation, beruflicher Leistung oder Selbstvertrauen unterstützen. In vielen Ländern handelt es sich jedoch nicht um eine regulierte psychische Gesundheitsbehandlung. Die Bezeichnung „Coach“ belegt keine klinische Ausbildung.

Ein Coach sollte keine Diagnosen stellen, schwere Symptome außerhalb der eigenen Kompetenz behandeln, zum Absetzen von Medikamenten raten oder von professioneller Hilfe abraten. Wenn soziale Angst erhebliche Beeinträchtigungen, Depressionen, Selbstverletzungen, problematischen Substanzkonsum, Traumafolgen oder diagnostische Unsicherheit mit sich bringt, ist eine Beurteilung durch eine qualifizierte klinische Fachperson angemessener.

Technologiegestützte und neuartige Interventionen

Virtuelle Realität, Videotherapie, Apps, Aufmerksamkeitstrainings, dialogbasierte Systeme und andere digitale Werkzeuge können den Zugang erleichtern oder bestimmte Behandlungsbestandteile vermitteln. Eine Technologie sollte danach beurteilt werden, welche Intervention sie bereitstellt und ob genau diese untersucht wurde – nicht allein danach, wie neu sie ist.

Hilfreiche Fragen sind:

  • Vermittelt das Angebot eine strukturierte KVT, Exposition, das Üben von Fertigkeiten oder eine Verlaufskontrolle – oder lediglich allgemeine Inhalte zum Wohlbefinden?
  • Wurde genau dieses Programm bei Menschen mit sozialer Angst untersucht?
  • Wurden die Ergebnisse mit einer aktiven Behandlung, einer Warteliste oder ohne aussagekräftige Kontrollbedingung verglichen?
  • Schützt das Angebot sensible Daten und erklärt es, wie Informationen gespeichert und verwendet werden?
  • Gibt es qualifizierte klinische Unterstützung und einen Plan für Verschlechterungen oder Krisen?
  • Werden die Lernerfahrungen über das Gerät hinaus auf alltägliche Beziehungen und Situationen übertragen?

Technologie kann die Durchführung verbessern, ohne das zugrunde liegende Therapiemodell zu verändern. Eine Exposition in virtueller Realität bleibt beispielsweise eine Exposition, und eine videobasierte KVT bleibt eine KVT.

Integrative Therapie

Integrative Therapie verbindet Ideen oder Methoden aus mehr als einem Ansatz. Das kann sinnvoll sein, wenn verschiedene Bestandteile klar bestimmte Bedürfnisse ansprechen – beispielsweise eine störungsspezifische KVT für den Kreislauf der sozialen Angst, mitgefühlsorientierte Arbeit bei starker Selbstkritik und zwischenmenschliche Fertigkeiten bei Schwierigkeiten mit Grenzen.

Weniger überzeugend ist Integration, wenn von Woche zu Woche einfach die Technik eingesetzt wird, die gerade interessant erscheint, ohne eine Fallkonzeption oder eine Möglichkeit, Fortschritte zu überprüfen. Mehr Bestandteile sind nicht automatisch besser. Auch die Kombination evidenzbasierter Elemente garantiert nicht, dass das daraus entstehende Gesamtpaket selbst wissenschaftlich untersucht wurde.

1. Problem und Ziele klären

Bestimme die Situationen, Symptome, Beeinträchtigungen, gleichzeitig bestehenden Schwierigkeiten, Präferenzen und Sicherheitsbedürfnisse.

2. Eine vorläufige Fallkonzeption entwickeln

Bestimme die Prozesse, die die Schwierigkeiten offenbar aufrechterhalten, statt anzunehmen, dass alle dieselbe Kombination benötigen.

3. Methoden mit einem klaren Zweck auswählen

Jeder Bestandteil sollte auf ein bestimmtes Ziel ausgerichtet sein und zu den Lebensumständen der Person passen.

4. Veränderungen beobachten

Überprüfe Symptome, Alltagsfunktion, Beteiligung, Ziele, unerwünschte Wirkungen und ob sich die angenommenen Prozesse tatsächlich verändern.

5. Die Behandlung bei Bedarf anpassen

Wenn die Behandlung ins Stocken gerät, sollten Fallkonzeption, Durchführung, Diagnose, Passung und stärker evidenzbasierte Alternativen erneut geprüft werden.

Wie sich die wichtigsten Ansätze unterscheiden

Ansatz Mögliche Relevanz Evidenzlage bei sozialer Angst
Schematherapie Langjährige Schemata und vermeidende Persönlichkeitsmuster Vielversprechende direkte Evidenz bei sozialer Angststörung mit ängstlich-vermeidender Persönlichkeitsstörung
Interpersonelle Psychotherapie Aktuelle Beziehungsprobleme, Rollen, Verluste und soziale Verbundenheit Einige randomisierte Studien; die kognitive Therapie führte zu besseren Ergebnissen
EMDR Belastende Erinnerungen oder gleichzeitig bestehende PTBS Bei PTBS etabliert; begrenzte direkte Evidenz bei sozialer Angststörung
DBT-Fertigkeiten Emotionsregulation, Stresstoleranz und zwischenmenschliche Fertigkeiten Möglicherweise ergänzend hilfreich; direkte Evidenz noch in einem frühen Stadium
Humanistische oder unterstützende Arbeit Bestätigung, Beziehung, persönliche Auseinandersetzung und Stabilisierung Therapeutische Eigenschaften können helfen; als eigenständige Behandlung der sozialen Angststörung nicht routinemäßig empfohlen
Anteilsorientierte, körperorientierte, narrative oder existenzielle Ansätze Selbstkritik, körperliche Erfahrungen, Identität, Sinn und innere Konflikte Begrenzte störungsspezifische Evidenz; möglicherweise ergänzend relevant
Hypnotherapie oder NLP Unterschiedliche Behauptungen zu Suggestion, Imagination oder Kommunikation Unzureichende Evidenz bei sozialer Angststörung; keine überzeugende Unterstützung gesundheitsbezogener Wirkungen von NLP
Virtuelle Realität Kontrollierte Durchführung sozialer Expositionsaufgaben Vielversprechende Durchführungsform innerhalb einer gut geplanten Expositionsbehandlung

Wie du eine verantwortungsvolle Auswahl triffst

Bei jedem Behandlungsangebot können folgende Fragen hilfreich sein:

  • Welche Untersuchung stützt die Fallkonzeption und die vorgeschlagene Behandlung?
  • Auf welche Prozesse der sozialen Angst zielt der Ansatz ab?
  • Welche Evidenz gibt es für genau diesen Ansatz, dieses Format und diese Zielgruppe?
  • Welche Alternativen verfügen über stärkere Evidenz, und weshalb wird dennoch diese Möglichkeit empfohlen?
  • Über welche Ausbildung, Supervision und berufsrechtliche Regulierung verfügt die anbietende Person?
  • Wie werden Symptome, Alltagsfunktion, Ziele und mögliche unerwünschte Wirkungen beobachtet?
  • Was wird verändert, wenn keine bedeutsamen Fortschritte eintreten?

Sei vorsichtig, wenn jemand behauptet, eine einzige Methode wirke für alle, Diagnosen und Evidenz vollständig abwertet, von Medikamenten oder anderer professioneller Behandlung abrät, eine Verschlechterung als Beweis für einen Heilungsprozess deutet, eine schnelle Heilung verspricht oder jede soziale Angst auf eine einzige verborgene Ursache zurückführt.

Wann ein anderer Ansatz vertretbar sein kann

Ein weniger etablierter Ansatz kann eine überlegte Wahl sein, wenn eine Erstbehandlung nicht verfügbar oder ungeeignet ist, nach einem informierten Gespräch abgelehnt wird, nur teilweise geholfen hat oder wenn eine gleichzeitig bestehende Schwierigkeit gesondert behandelt werden muss. Präferenzen und die therapeutische Passung sind wichtig. Eine informierte Entscheidung setzt jedoch eine ehrliche Darstellung der Unsicherheit voraus.

Das Wichtigste

  • Therapieansätze unterscheiden sich deutlich hinsichtlich ihrer direkten Evidenz bei sozialer Angststörung.
  • Für die Schematherapie gibt es vielversprechende Evidenz bei sozialer Angst mit gleichzeitig bestehender ängstlich-vermeidender Persönlichkeitsstörung. IPT wird durch einige Studien gestützt, scheint jedoch weniger wirksam zu sein als eine störungsspezifische kognitive Therapie.
  • EMDR, DBT-Fertigkeiten sowie körperorientierte, anteilsorientierte, narrative und humanistische Ansätze können relevante Prozesse ansprechen, sollten aber nicht automatisch als etablierte eigenständige Behandlungen dargestellt werden.
  • Unterstützende Begleitung kann wertvoll sein, ohne eine gezielte Behandlung zu ersetzen. Bei NLP und übertriebenen Behauptungen zur Hypnotherapie ist besondere Vorsicht angebracht.
  • Virtuelle Realität ist in erster Linie eine Form der Durchführung von Exposition. Integrative Therapie benötigt eine schlüssige Fallkonzeption und nicht lediglich eine unstrukturierte Sammlung von Techniken.
  • Respekt für persönliche Präferenzen und eine ehrliche Vermittlung der Evidenz gehören zusammen.

Weiterführende Inhalte

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Unsere Evidenzstandards

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Quellen

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